<Leserbriefe> M 04: NEU: "Das Rechtschreibw ö rterbuch" von Theodor Ickler

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Don Jul 13 13:01:15 CEST 2000


<Leserbriefe> M 04: NEU: "Das Rechtschreibwörterbuch" von Theodor Ickler

Professor Ickler: "In dieser Situation liegt folgende Lösung nahe: Solange
niemand eine sowohl stimmige als auch allgemeiner Zustimmung gewisse
Rechtschreibreform vorzuschlagen vermag, sollte man bei der herkömmlichen
Orthographie bleiben. Sie funktioniert ausgezeichnet, findet breiteste
Anerkennung und ist anpassungsfähig genug, um sprachliche Neuentwicklungen
aufzunehmen."

Wie zu keiner anderen Meldung zuvor erreichte uns eine Flut von
Leserzuschriften. Einen Teil davon veröffentlichen wir hier. Für den Inhalt
seines Leserbriefs ist der Einsender verantwortlich. Die E-Post-Anschriften
aller Einsender sind uns bekannt.

Zwei Anfragen, die uns Leser stellten, möchten wir zuvor noch beantworten.
1: "Ich habe versucht, Icklers neues "Rechtschreibwörterbuch" irgendwo zu
finden und zu bestellen. Leider gibt es es noch bei keiner
Online-Buchhandlung."
2: "Würde das gerne rezensieren. An wen wende ich mich?"
Antwort: Wenden Sie sich an den Leibniz-Verlag, Auf dem Hähnchen 34, D-56329
St. Goar / Rhld.-Pfalz, Ruf 0049-(0)6741-1720, Ferndruck (Fax)
0049-(0)6741-17 49 <reichl-verlag at telda.net>.
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AUFBAUEND
@    Eine sehr konstruktive Initiative!
***Wolf Doleys***

DER DUDEN - GESCHICHTE EINES NIEDERGANGS
@    Indem der Duden in nicht nur leichtfertiger, sondern auch überheblicher
Weise seinem Auftrag untreu geworden ist, hat er auch nachhaltig jedes Recht
verloren, "maßgeblich in allen Zweifelsfällen" zu sein. Der Duden -- das ist
die Geschichte eines Versuchs, eines Erfolgs, aber auch eines schäbigen
Niedergangs. So ist zu hoffen, daß wir Zeugen einer Werkschöpfung sind, wie
sie schon von Ploetz, Putzger und Büchmann erfolgte, und daß es in zwanzig
Jahren nicht mehr heißen werde: "im Duden...", sondern "im Ickler". Große
Werke werden immer in Umbruchszeiten begründet.
***Alexander Glück***

ANDERE SORGEN
@    Mit der von Prof. Ickler dargestellten Sicht der Rechtschreibreform bin
ich nicht einverstanden. Schon die Forderung nach einer allgemeinen
Zustimmung würde ja jede Reform von vornherein ausschließen. Die
Rechtschreibreform erscheint mir vor allem als ein Weglassen von
Ausnahme-Regelungen. Damit, finde ich, ist sie auf dem richtigen Weg, das
Nachlassen der Akzeptanz unserer deutschen Sprache zu bremsen. Ich halte es
für gefährlich, die Diskussion um die Reform wieder neu anzufachen. Es mag
Ungereimtheiten auch in diesem neuen Regelwerk geben, aber ich finde wir
haben mit der deutschen Sprache wirklich andere Sorgen als Unterschiede in
der Schreibweise. Die größte Gefahr liegt in ihrem Verkommen zum
"Denglisch". Da müssen wir am Ball bleiben und uns nicht in der Diskussion
um Zusammen- oder Getrennt-Schreiben verzetteln.
***Reinhold Trier***

KAUF EINES ICKLER
@    Da ich versäumt habe, mir noch einen Vor-Reform-Duden zuzulegen, und
mein bisheriger Duden von 1967 ist, wird der Kauf eines Ickler wohl
unvermeidlich sein.
***Markus Gail***

ICKLER EIN "SPRACHSÜNDER"
@    NEIN, ich habe kein Verständnis dafür, dass unsere Welt immer mehr auf
der schiefen Bahn in Richtung Unordung, Regellosigkeit und Beliebigkeit
abgleitet. So wie ein Raser in der Autobahnbaustelle ein Verkehrssünder ist,
so ist Ickler ein Sprachsünder. Die Rechtschreibreform ist nun wirklich auf
dem offiziellst möglichen Wege erarbeitet worden. Und dann kommt ein Proff
und weis es besser. Schlussfolgerung: er ist nicht lernfähig, auch nicht,
wenn das Neue eine dicke Erleichterung ist. Die bisherige Reform sollte
eigentlich auch einem Betonkopf nicht schwer fallen, ist sie doch ein
sanfter Kompromiss. Und "gewachsen" ist natürlich nichts an der alten
Rechtschreibung. Alles irgendwann mal festgelegt.
***Prof. Friedrich W. Rösing***

GUTENBERG DREHT SICH IM GRABE UM
@    Was soll ich sagen? Es ist das absolut und einzig richtige. Nur genau
so kann es gehen! In dem Zusammenhang kann ich es mir natürlich nicht
verkneifen, auf zwei Sendungen hinzuweisen, die von Radio Quer in Mainz auf
106,6 MHz ausgestrahlt wurden und die seit einiger Zeit auf CD erhältlich
sind:
rq001m   Radio Quer-Thema:   Parteieninteressen contra Volkswillen
Der Initiator des Volksentscheids in Schleswig Holstein Matthias Dräger, der
Pressesprecher von "Mehr Demokratie e.V. München" Oliver Hinz sowie der
Initiator des Volksbegehrens in Niedersachsen Prof. Carsten Ahrens berichten
darüber, wie es einem ergeht, der die Frechheit besitzt, Politiker mit
Volkes Willen zu konfrontieren. Ausgestrahlt am 30. Mai 2000, ca. 58 Min.
rq002m   Radio Quer-Thema: Wenn Gutenberg sich im Grabe herumdreht
Nochmal Matthias Dräger, diesmal zusammen mit dem Sprachwissenschaftler
Prof. Dr. Theodor Ickler über die Machenschaften, wie die sogenannte
Rechtschreibreform gegen alle Widerstände und gegen jede Vernunft
durchgedrückt wurde. Als Zugabe etliche Köstlichkeiten aus den Bestimmungen
dieser staatlich verordneten Sprachverballhornung nach 84er Orwell-Vorbild.
Ausgestrahlt am 1. Juni 2000, ca. 79 Min.
Jede CD kostet 7 DM. Versand per Nachnahme kostet für Porto und Gebühren 8
DM. Es handelt sich um selbstgebrannte CDs (sehr alte CD-Player haben
oftmals Probleme damit, aber andere Möglichkeiten haben wir derzeit nicht).
Bestellungen mit Papier:
   Radio Quer, Postfach 3048, 55020 Mainz
Bestellungen mit Elektronen:
   Sven Dyroff, Tel.: 0611 / 608609, Fax: 0611 / 9600290,
<sdyroff at bfcag.com>
***Sven Dyroff***

SCHALLOSIE UND HOUMPÄJTSCH - "NEU-NEUSTE SCHREIBE"
@    : Heute   10. Siebter 2000
, Geehrte-geehrte Damen und Herren ...
... auch mir gefällt die neue Rechtschreibung nicht in allen Punkten. Habe
aber inzwischen festgestellt, dass es unmöglich ist (meine Meinung), eine
von A - Z logische Reform ohne Haken, Ösen und Ausnahmen zu erstellen.
Persönlich (will sagen priwat) verwendich Teile der alten Rechtschreibung
(ernstnehmen - ernst nehmen, Kommasetzung). Fremdwörter würdich aber
wesentlich stärker eindeutschen: Ortografie - Dass aus th t wird (wenn wie t
gesprochen) wäre eine einfache, durchgehende Regel: Tema, Tron, ... (Aber
Thriller/ Þriller, Diepholz [diep-holz](Ort))
Hier ein paar wild herausgegriffene Beispiele: Schallosie, Pitza, Skitze
(oder Sskitze?), Ssitti (auch INNENSTADT buuchstabiert), iMäjl/ ePost,
Fräjm, Houmpäjtsch ... Zusätzlich verwendich neue Buuchstaben und
-kombinazionen, etwa: Þ,þ für th in think: Þriller ou  für ow in know:
Houmpäjtsch, Nouhau - daher Rutiene, Turist (nicht Tourist) äj  Mäjl.
Hier hätten Buuchstaben und Ausspraache endlich wieder eine eindeutige
Zuordnung. Unterscheidung von Lache (Lachen) und Laache (Pfütze), daher auch
Buuch, naach, Dach (weil kurz), ...
Abgesehen davon experimentierich noch mit neu-neuen grammatischen Fänomenen
rumm. Ichnehme an, dass Herr Professor Ickler meine Vorschläge nicht so ganz
teilen wird - aber siesind völlig ernstgemeint. (Tietel: Neu-neuste
Rechtschreibe). Das wäre meine Ansicht zum Tema Ortografie. Auch wenn Sie
sie nicht übernehmen ;-), vielleicht erhalten Sie hierdurch neue Anregungen
und Diskussionstemen.
, Grüße-Grüße
***Karsten Spilling***

KONTRA-INTUITIVITÄT LÖST FRUST AUS
@    Selbstverständlich bin ich voll auf der Linie von Herrn Ickler. Ich
wünsche dem Buch eine weitestmögliche Verbreitung! Viele der Neuregelungen
sind so kontra-intuitiv, daß sie sich meines Erachtens nie werden
durchsetzen können.
Der fatale neue Hang zur Getrenntschreibung ist in Wirklichkeit nicht ein
Fall von Rechtschreibreform, sondern schafft bestehende deutsche Wörter
kurzerhand ab. Neulich las ich "Not gedrungen" - als Adverb in dieser
Schreibung in einem Satz verwendet. Dazu fällt einem doch nichts mehr ein!
Frage: Ist die s-t-Trennung jetzt nur ERLAUBT oder OBLIGATORISCH?? Sachen
wie "has-ten" oder "fros-tig" könnte ich noch nachvollziehen. Aber was soll
"Dis-tanz", "Ins-titut", "Katas-trophe"??
Die liberalisierte Kommasetzung  vor dem Infinitiv mit "zu" und vor "und"
ist außerordentlich kontraproduktiv, sie erschwert das Leseverständnis. Es
ist mir unbegreiflich, wie studierte Menschen einen solchen Blödsinn
empfehlen, gar vorschreiben konnten.
(Tut mir leid, aber ich muß mir halt hin und wieder meinen Frust von der
Seele schreiben!!)
***Krino Hoogestraat***

AUFREGUNG UNVERSTÄNDLICH UND VERWIRREND
@    Hallo Sprachwelt-Redaktion, sehr geehrter Prof. Ickler,
Seit meinem Abitur bin ich der Ansicht, daß es keine "korrekte"
Rechtschreibung gibt. Besonders in früheren Zeiten der Computernutzung war
es unmöglich, Umlaute bzw. 'ß' zu schreiben. Außerdem ist es im Umgang mit
fremdsprachlichen Kollegen / Bekannten immer an der Tagesordnung, z.B. ae
statt ä zu schreiben, da man nie weiß, welches Computersystem sie benutzen
und wie spezifisch deutsche Zeichen in deren PC-Umgebung dargestellt werden.
Durch solcherlei Fragen bzw. Hintergründe habe ich mir eine relativ
freizügige Art der Rechtschreibung angewöhnt. Es ist natürlich richtig, daß
ein gewisser Rahmen der Rechtschreibung vorhanden sein muß, um
Unverständlichkeiten zu vermeiden, aber im Allgemeinen sehe ich es nicht als
das zentrale Problem an, ob man jetzt Känguru oder Delfin schreibt oder
nicht. Es ist daher meiner Ansicht nach wirklich nicht im Geringsten
notwendig, durch ein weiteres Buch mit einer weiteren These ("Solange
niemand eine sowohl stimmige als auch allgemeiner Zustimmung gewisse
Rechtschreibreform vorzuschlagen vermag, sollte man ... ") die alte
Diskussion wieder anzuheizen. Ein weiteres Werk obiger These dient meiner
Meinung nach also nur zwei Dingen: 1. der Verwirrung; 2. dem Geld verdienen
(wobei dieser Grund wenigstens als vernünftig erscheint).
***Heribert Wolf***

HOCHVERRAT
@    Testergebnisse, gesehen in der Zeitschrift "c't":
sehr gut
gut
zufrieden stellend
schlecht
sehr schlecht
Ich stelle die Ergebnisse der Rechtschreibreform nicht zufrieden in die
Ecke, sondern bezeichne die Rechtschreibreform als das, was sie ist:
Hochverrat an der deutschen Kultur!
***Rainer Link***
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Theodor Ickler "Das Rechtschreibwörterbuch"
Die bewährte deutsche Rechtschreibung in neuer Darstellung
Sinnvoll schreiben, trennen, Zeichen setzen
St. Goar, Leibniz Verlag 2000
ISBN 3-931155-14-5
29,80 DM
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SPRACHWAHRER DES JAHRES

@    Haben Sie auch schon Ihre Stimme abgegeben?
Die DEUTSCHE SPRACHWELT sucht den SPRACHWAHRER DES JAHRES 2000.
Es gibt bereits eine rege Beteiligung an der Wahl. Mit dieser bewußt
positiven Auszeichnung soll besonderer Einsatz für die deutsche Sprache
gewürdigt werden. Bei dem gesuchten Preisträger muß es sich nicht unbedingt
um eine hervorgehobene Persönlichkeit handeln. Deswegen geben wir auch
keinen "Wahlzettel" vor. Oft geschieht fernab vom Medienwirbel unter
Opferung von viel Freizeit Gutes für die deutsche Sprache. Bitte schicken
Sie Ihre Wahl zusammen mit einer kurzen Begründung an:
DEUTSCHE SPRACHWELT <sprachwelt at t-online.de>.
Stichwort "SPRACHWAHRER DES JAHRES".
Der Sprachwahrer mit den meisten Stimmen wird "Sprachwahrer des Jahres".
Einsendeschluß ist der 20. Oktober 2000. Über die, die es nicht geschafft
haben werden, möchten wir jedoch auch gebührend berichten.
Die DEUTSCHE SPRACHWELT sucht auch noch Stifter, die helfen, den Preis
aufzuwerten. Interessenten schreiben bitte an die Schriftleitung (Anschrift:
siehe unten).

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Die DEUTSCHE SPRACHWELT erscheint vierteljährlich im Berliner Zeitungsformat
als achtseitige Papierausgabe, herausgegeben vom Verein für Sprachpflege.
Sie finanziert sich aus Spenden.

Bestellungen: Postfach 27, A-2103 Lang-Enzersdorf bei Wien, Fernruf und
Ferndruck (Fax) 0043-(0)2244-30542, <markus.weiss at netway.at>.

Schriftleitung (Redaktion): Thomas Paulwitz, Postfach 1449, D-91004
Erlangen, Fernruf 0049-(0)9131-480661 (Tonband), Ferndruck (Fax)
0049-(0)9131-480662, <sprachwelt at t-online.de>.