[DSW] Sprachzeitung lobt Aussetzen der Rechtschreibreform
DEUTSCHE SPRACHWELT
schriftleitung at deutsche-sprachwelt.de
Die Jul 19 15:47:29 CEST 2005
DEUTSCHE SPRACHWELT
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- PRESSEMITTEILUNG -
Sprachzeitung lobt Aussetzen der Rechtschreibreform /
Enttäuschung über Niedersachsen
Erlangen, 19. Juli Die DEUTSCHE SPRACHWELT lobt die Entscheidung der
Landesregierungen in Bayern und Nordrhein-Westfalen, sich der
Kultusministerkonferenz zu widersetzen und die bewährte Rechtschreibung an
den Schulen weiterhin gelten zu lassen. "Es ist gut, daß in großen deutschen
Bundesländern die Schreibweisen der Literaturnobelpreisträger deutscher
Sprache (wie Hesse, Böll, Grass, Jelinek) weiterhin nicht als Fehler
gewertet werden", erklärte der Chefredakteur der Sprachzeitung, Thomas
Paulwitz. Über die Entscheidung Niedersachsens, sich den beiden
Vorreiterländern nicht anzuschließen, wunderte er sich: "Christian Wulffs
Verhalten ist unglaubwürdig. Schließlich hat er in unserer Zeitung gefordert
’Die Rechtschreibreform muß vom TischŒ und sich für ’Klarheit, Deutlichkeit
und EindeutigkeitŒ in der deutschen Sprache ausgesprochen. Viele unserer
Leser sind vom niedersächsischen Ministerpräsidenten enttäuscht." Vgl.
http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/rsr/wulff.shtml
Die anderen Bundesländer sollten sich dem guten Beispiel Bayerns und
Nordrhein-Westfalens anschließen, um endlich wieder Einheitlichkeit in der
Rechtschreibung zu erreichen. Schüler wie Lehrer sollten nicht mit einer
Zwei-Klassen-Schreibung verunsichert werden. Die in Bayern herausgegebene
DEUTSCHE SPRACHWELT sieht sich durch die Entscheidung der beiden Länder
bestätigt. Die Sprachzeitung hatte nämlich den im Juni gefaßten
KMK-Beschluß, Teile der Reform bereits zum 1. August alleinverbindlich
einzuführen, während sie noch vom Rechtschreibrat überarbeitet werden, als
"babylonischen Irrsinn" und Verschärfung des Rechtschreibchaos¹
angeprangert:
http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/pm-2005-06-03.shtml. Schließlich
ist zu erwarten, daß auch die Reformteile, die am 1. August verbindlich
eingeführt werden sollen, noch vom Rechtschreibrat nachgebessert werden. Als
Beispiel nannte Paulwitz die Groß- und Kleinschreibung.
Über den frischgebackenen Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens, Jürgen
Rüttgers, sagte Paulwitz: "Daß Rüttgers daran arbeitet, sein Wahlversprechen
einzulösen, stärkt das Vertrauen der Bürger in die Politik. Jetzt wird sich
weisen, ob Rüttgers ein vielversprechender oder bloß ein viel versprechender
Politiker ist." Rüttgers hatte im Falle eines Wahlsiegs die Rücknahme der
Rechtschreibreform versprochen. Freilich hätte er seinen Minister bereits in
der Kultusministerkonferenz anweisen können, der Teileinführung nicht
zuzustimmen, so Paulwitz: "Aber besser spät als nie."
Der Rechtschreibrat habe aufgrund der Entscheidung der beiden Länder wieder
mehr Luft, um zu arbeiten. "Die Gängelung des von ihr selbst eingesetzten
Rates durch die KMK ist inzwischen unerträglich geworden. Deswegen ist es
richtig, wenn die Ministerpräsidenten jetzt dazwischengehen", so Paulwitz.
Der Rat sei zwar überproportional mit Reformbefürwortern besetzt und weise
nur wenige Fachleute auf; er sei aber derzeit eines der wenigen Werkzeuge,
die sture Kultusbürokratie zur Vernunft zu bringen. Ob die Nachbesserungen
an der Reform jemals zufriedenstellend beendet werden könnten, sei jedoch
fraglich: "Zu verkorkst ist das mißlungene Regelungswerk", meint Paulwitz.
Am besten sei es deswegen, ganz auf das gescheiterte Reformprojekt zu
verzichten: "Es muß irgendwann einmal Schluß sein mit dem
Rechtschreibtheater, das die Kultusminister der Sprachgemeinschaft
eingebrockt haben."
Zur Pressemitteilung:
http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/pm-2005-07-19.shtml
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80.000 Lesern (Leserbefragung 2002) die größte deutsche Sprachzeitung. Sie
erscheint vierteljährlich und ist Sprachrohr und Plattform einer ständig
wachsenden Bürgerbewegung, die sich um die deutsche Sprache sorgt und für
ein neues Sprachbewußtsein eintritt. Die DEUTSCHE SPRACHWELT kämpft für die
Erhaltung einer lebendigen deutschen Sprache.
Schriftleitung: Thomas Paulwitz
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